DIE STIMME
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Arno - die Stimme

Seit 20 Jahren intensiv, seit meiner Knabenzeit (Wiener Sängerknaben) indirekt, befasse ich mich nun schon mit "Der Gesangskunst der Kastraten" und der heute gebräuchlichen Countertenorstimme. Man kann die Stimmen der barocken Sängerstar´s natürlich nur noch erahnen. Die unzähligen Stimmbeschreibungen aus der Zeit Farinelli´s und Co, (von silbriger Klarheit und Reinheit, von trompetenhaft, metallischer Kraft bis zum süßesten, zartesten Pianissimo, von Biegsamkeit und wundervollen Klangmodulationen, von Helle und von frischer, klarer , glänzender Stimme, der Reinheit einer Silberglocke ist hier die Rede), Hörbeispiele des letzten Kastraten Alessandro Moreschi, lassen in meinen Ohren eine Klangvorstellung der Kastratenstimme entstehen, der ich mich mit neuer Technik anzunähern versuche. In meiner langjährigen Sopranistenkarriere habe ich eine Technik entwickelt, die meine Stimme vom Timbre eines "Counters" abrücken lässt, um in die Nähe eines "Kastratenklanges" zu gelangen.

Weg von "Countertenor" zum Sopranisten - zum "Kastraten" zum "bel Canto".
Den Grundstein für meine Ausbildung legte wohl der berühmte Gesangspädagoge Prof. Ferdinand Grossmann bei eben oben genannten Wiener Sängerknaben (seine spezielle Atemtechnik und Stütztechnik sei hier erwähnt).

Eine fundierte Gesangsausbildung bei Frau KS Ruthilde Boesch (Lehrerin von Frau KS Edita Gruberova) und Frau KS Elisabeth Schwarzkopf war die Grundlage,um mich auf neues Terrain vorzuwagen und einen anderen Weg für die „Countertenorstimme“ einzuschlagen. Auch das berühmte Notenblatt Nicolo Porpora´s (Porpora´s elements of singing), auf dem er seine Übungen für Gesangsstudenten notierte, war mir ein Wegweiser und eine Unterstützung. Der wohl gerühmteste Kastrat,neben Farinelli (ebenfalls Schüler von Porpora), war Caffarelli, der 6 Jahre lang nach eben diesen Notenblatt üben musste und vor Langeweile schier zu verzweifeln begann als ihn Porpora mit den Worten entließ:“Geh mein Sohn, du hast nichts mehr zu lernen, du bist der erste Sänger Italiens und der Welt“. Porpora hatte recht! Auch Antonio Bernacchi (1690-1756) der Kastrat mit der anfänglich hässlichen, schwachen Stimme, durch des Meister Pistocchi´s Lehre zum „König der Sänger“ erhoben, Sieger im Wettstreit mit dem jungen Farinelli, war ein Vorbild für meine Ideen einer neuen Technik für den Gesang.

Zum Thema "Vibrato" in der Stimme möchte ich eine klare Meinung vertreten.  Zur Hochblüte der "Kastratenzeit" konnte das Publikum meist die Frauen von den Kastratensängern nicht unterscheiden. Nicht nur körperlich waren die jungen Kastraten wie "wunderschöne Frauen", auch ihre Stimmen waren oft der Frauenstimme sehr ähnlich. So nehme ich an werden die Kastraten nicht dem "englischen Stil" einer vibratolosen, geraden Gesangslinie gefolgt sein, sondern ein natürliches  kräftiges Vibrato wie unsere großen Opernsängerinnen gehabt haben.